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Zeckenzeit kommt – Wetter, Zecken-Entwicklung, Regionen, Gefahr, Prävention, Behandlung

Dr. med. vet. Andreas Schüll

Mit steigenden Temperaturen beginnt jedes Jahr die Zeckensaison. Durch mildere Winter und den Klimawandel sind Zecken mittlerweile nahezu ganzjährig aktiv. Für Hundehalter bedeutet das: Zeckenschutz ist heute wichtiger denn je. Doctor Bark informiert über Zecken, ihre Entwicklung, die wichtigsten Krankheiten und moderne Schutzmaßnahmen.

Zecken – kleine Parasiten mit großer Wirkung

Zecken gehören zur Klasse der Spinnentiere und ernähren sich vom Blut von Wirbeltieren – darunter Hunde, Katzen, Wildtiere und Menschen. Während ihrer Entwicklung durchlaufen die meisten Zeckenarten drei Stadien: Larve, Nymphe und adulte Zecke. Bereits Larven und Nymphen benötigen Blutmahlzeiten, um sich weiterzuentwickeln.

Besonders häufig trifft man in Deutschland auf den Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus), die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) sowie zunehmend auf die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus), die ursprünglich aus südlichen Ländern stammt.

Zecken in Deutschland und Europa

Zecken kommen heute in nahezu allen Regionen Deutschlands vor. Durch mildere Winter überleben deutlich mehr Tiere als früher. Gleichzeitig breiten sich neue Zeckenarten aus, wodurch auch Erkrankungen häufiger werden, die früher vor allem aus südlichen Urlaubsländern bekannt waren.

Die Hauptaktivitätszeit liegt zwischen Frühjahr und Herbst. Bei Temperaturen über etwa 7 °C können Zecken jedoch auch im Winter aktiv sein.

Welche Gefahren gehen von Zecken aus?

Der Zeckenstich selbst verursacht meist nur lokale Hautreizungen. Problematisch wird es durch die zahlreichen Krankheitserreger, die Zecken übertragen können. Sie gelten weltweit als einer der wichtigsten Überträger von Infektionskrankheiten bei Mensch und Tier.

Babesiose

Die Babesiose wird durch einzellige Parasiten übertragen, die rote Blutkörperchen befallen und zerstören. Die Erkrankung wird häufig auch als „Hundemalaria“ bezeichnet.
Symptome: Hohes Fieber, Mattigkeit, Appetitlosigkeit, Blutarmut, Gewichtsverlust, dunkler Urin, Gelbsucht und Kreislaufprobleme.
Vorbeugung: Konsequenter Zeckenschutz und tägliche Kontrolle des Fells nach Spaziergängen.
Behandlung: Die Erkrankung ist behandelbar, muss jedoch frühzeitig tierärztlich diagnostiziert werden.

Borreliose

Borreliose wird durch Bakterien der Gattung Borrelia verursacht und über den Gemeinen Holzbock übertragen.
Symptome: Lahmheiten, Gelenkentzündungen, Fieber, Leistungsabfall sowie in seltenen Fällen Organbeteiligungen.
Vorbeugung: Zeckenschutz, regelmäßige Fellkontrollen sowie in bestimmten Regionen eine mögliche Impfung nach tierärztlicher Beratung.
Behandlung: Erfolgt in der Regel mit Antibiotika.

Anaplasmose

Die Anaplasmose zählt mittlerweile zu den häufigsten durch Zecken übertragenen Erkrankungen bei Hunden in Mitteleuropa.
Symptome: Fieber, Mattigkeit, Gelenkschmerzen, Bewegungsunlust, Appetitverlust und geschwollene Lymphknoten.
Vorbeugung: Ein zuverlässiger Zeckenschutz ist derzeit die wichtigste Schutzmaßnahme.
Behandlung: Erfolgt durch eine gezielte Antibiotikatherapie.

Ehrlichiose

Die Ehrlichiose wurde lange als typische Reisekrankheit angesehen. Durch die Ausbreitung der Braunen Hundezecke wird sie jedoch zunehmend auch in Mitteleuropa relevant.
Symptome: Fieber, Schwäche, Gewichtsverlust, Blutungsneigung, geschwollene Lymphknoten und chronische Leistungsschwäche.
Vorbeugung: Effektiver Zeckenschutz, insbesondere bei Reisen in südliche Länder.
Behandlung: Erfolgt ausschließlich durch den Tierarzt.

FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis)

FSME wird durch Viren übertragen und spielt vor allem beim Menschen eine bedeutende Rolle. Hunde erkranken deutlich seltener, können jedoch ebenfalls betroffen sein.
Symptome: Fieber, neurologische Ausfälle, Bewegungsstörungen, Krampfanfälle sowie starke Schmerzempfindlichkeit im Kopf- und Nackenbereich.
Vorbeugung: Konsequenter Zeckenschutz. Für Hunde steht in Deutschland derzeit keine allgemein verfügbare FSME-Impfung zur Verfügung.

Moderne Zeckenprophylaxe

Heute stehen verschiedene Möglichkeiten zur Zeckenabwehr zur Verfügung. Dazu gehören Spot-on-Präparate, Kautabletten, Halsbänder sowie pflanzliche Ergänzungen. Welche Methode für Ihren Hund geeignet ist, hängt von Alter, Gesundheitszustand, Wohnort und individuellen Risiken ab.

Unabhängig von der gewählten Schutzmaßnahme gilt: Kontrollieren Sie Ihren Hund nach jedem Spaziergang gründlich. Besonders Ohren, Hals, Achseln, Pfotenzwischenräume und Leistengegend sollten sorgfältig abgesucht werden. Je früher eine Zecke entfernt wird, desto geringer ist das Risiko einer Krankheitsübertragung.

Unser Fazit: Zecken sind längst kein saisonales Problem mehr. Ein konsequenter Zeckenschutz und regelmäßige Kontrollen gehören heute zur verantwortungsvollen Gesundheitsvorsorge jedes Hundes. So können Sie Ihren Vierbeiner wirksam vor vielen gefährlichen Erkrankungen schützen.



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