Chronische Nierenerkrankungen gehören zu den häufigsten internistischen Erkrankungen älterer Hunde. Dank moderner Diagnostik können Veränderungen der Nierenfunktion heute jedoch deutlich früher erkannt werden als noch vor einigen Jahren. Die Nieren übernehmen lebenswichtige Aufgaben im Organismus. Sie filtern Stoffwechselprodukte aus dem Blut, regulieren den Wasser- und Elektrolythaushalt, beeinflussen den Blutdruck und sind an der Bildung roter Blutkörperchen beteiligt. Fällt die Leistungsfähigkeit der Nieren dauerhaft ab, spricht man von einer Niereninsuffizienz.
Da Hunde über eine große funktionelle Reserve der Nieren verfügen, bleiben erste Veränderungen häufig lange unbemerkt. Oft zeigen sich Symptome erst dann, wenn bereits ein erheblicher Teil des Nierengewebes geschädigt ist. Umso wichtiger sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, insbesondere bei älteren Hunden.
Definition Niereninsuffizienz:
Unter einer Niereninsuffizienz versteht man eine verminderte Fähigkeit der Nieren, das Blut ausreichend zu filtern und den Wasser-, Mineralstoff- und Säure-Basen-Haushalt zu regulieren. Tierärzte unterscheiden zwischen einer akuten Nierenschädigung und einer chronischen Nierenerkrankung.
Während eine akute Schädigung plötzlich auftritt und teilweise vollständig ausheilen kann, entwickelt sich eine chronische Nierenerkrankung meist schleichend über Monate oder Jahre.
Häufige Ursachen einer akuten Nierenschädigung:
- Vergiftungen (z. B. Frostschutzmittel, Weintrauben, Rosinen, bestimmte Medikamente)
- Schwere Infektionen und Blutvergiftungen
- Leptospirose
- Massive Kreislaufstörungen oder Schockzustände
- Harnabflussstörungen durch Steine oder Verengungen
- Schwere Dehydrierung
Häufige Ursachen einer chronischen Nierenerkrankung:
- Altersbedingte Veränderungen des Nierengewebes
- Angeborene Fehlentwicklungen der Niere
- Chronische Entzündungen
- Bluthochdruck
- Bestimmte Stoffwechsel- oder Immunerkrankungen
- Langfristige Folgen früherer Nierenschäden
Klinische Anzeichen einer Niereninsuffizienz:
Die Symptome entwickeln sich oft schleichend. Zu den häufigsten Anzeichen gehören:
- Vermehrtes Trinken und Wasserlassen
- Gewichtsverlust trotz normaler Fütterung
- Appetitmangel
- Übelkeit und Erbrechen
- Mundgeruch
- Abgeschlagenheit und verminderte Leistungsfähigkeit
- Struppiges Fell
- Muskelabbau
Bei einer akuten Nierenschädigung können die Symptome plötzlich auftreten und sich innerhalb kurzer Zeit dramatisch verschlechtern. Dies stellt einen tiermedizinischen Notfall dar.
Diagnostik und Behandlung:
Moderne Blut- und Urinuntersuchungen ermöglichen heute eine deutlich frühere Erkennung von Nierenerkrankungen. Neben klassischen Nierenwerten wie Kreatinin und Harnstoff wird zunehmend auch der Biomarker SDMA eingesetzt, der bereits frühe Funktionsverluste anzeigen kann.
Die Behandlung richtet sich nach Ursache und Stadium der Erkrankung. Häufig gehören dazu:
- Speziell abgestimmte Nierendiäten
- Ausreichende Flüssigkeitsversorgung
- Kontrolle von Blutdruck und Eiweißverlusten
- Unterstützende Medikamente gegen Übelkeit oder Magenprobleme
- Regelmäßige Blut- und Urinkontrollen
Ziel der Therapie ist es, die verbliebene Nierenfunktion möglichst lange zu erhalten und die Lebensqualität des Hundes zu verbessern.
Prävention:
Nicht jede Nierenerkrankung lässt sich verhindern. Dennoch können Hundebesitzer viel zur Vorsorge beitragen:
- Ausreichende Trinkwasseraufnahme sicherstellen
- Hochwertige und ausgewogene Ernährung wählen
- Vergiftungsquellen vermeiden
- Medikamente ausschließlich nach tierärztlicher Anweisung verabreichen
- Regelmäßige Gesundheitschecks durchführen lassen
- Bei älteren Hunden jährliche Blut- und Urinuntersuchungen einplanen
Früh erkannt bedeutet bei Nierenerkrankungen oft: deutlich bessere Behandlungsmöglichkeiten und viele zusätzliche Jahre mit guter Lebensqualität.
Unser Tipp: Lassen Sie insbesondere Hunde ab dem mittleren Alter regelmäßig tierärztlich untersuchen. Viele Nierenerkrankungen bleiben lange unbemerkt und können durch Vorsorgeuntersuchungen frühzeitig erkannt werden.
Bleiben Sie und Ihr Vierbeiner gesund.