Von Dr. med. vet. Andreas Schüll
Immer mehr Hundehalter interessieren sich für BARF (Biologisch Artgerechtes Rohes Futter). Die Idee dahinter: eine möglichst natürliche Ernährung mit rohem Fleisch, Innereien, Knochen und ausgewählten pflanzlichen Bestandteilen. Was auf den ersten Blick einfach erscheint, erfordert jedoch fundiertes Wissen und eine sorgfältige Planung.
Wer seinen Hund barfen möchte, sollte sich intensiv mit den Ernährungsbedürfnissen des Hundes beschäftigen. Fleisch ist nicht gleich Fleisch, Knochen sind nicht gleich Knochen und auch die Versorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen muss genau abgestimmt werden. Fehler in der Fütterung können langfristig zu gesundheitlichen Problemen führen.
Ein oft unterschätztes Risiko: Schilddrüsengewebe im BARF-Futter
Schilddrüsenhormone beeinflussen zahlreiche wichtige Körperfunktionen. Sie steuern unter anderem den Stoffwechsel, das Herz-Kreislauf-System, die Körpertemperatur und das allgemeine Wohlbefinden von Mensch und Tier.
Während eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) bei Hunden vergleichsweise häufig vorkommt, ist eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) eigentlich selten. In den vergangenen Jahren wurden jedoch vereinzelt Fälle beschrieben, bei denen Hunde nach längerer Rohfütterung auffällig erhöhte Schilddrüsenwerte entwickelten.
Die Ursache lag häufig nicht in einer Erkrankung der Schilddrüse selbst, sondern in der Aufnahme von Schilddrüsengewebe über das Futter. Insbesondere Schlundfleisch oder Teile der Luftröhre können unbeabsichtigt Schilddrüsengewebe enthalten. Gelangen diese Gewebeanteile regelmäßig in den Futternapf, können aktive Schilddrüsenhormone aufgenommen werden.
Mögliche Symptome einer solchen Überversorgung können sein:
- Gewichtsverlust trotz gutem Appetit
- Unruhe und Nervosität
- Vermehrtes Hecheln
- Erhöhte Herzfrequenz
- Verhaltensänderungen
- Gesteigerte Aktivität
In dokumentierten Fällen normalisierten sich die Blutwerte nach einer Umstellung auf ausgewogene Fertigfuttermittel oder entsprechend angepasste BARF-Rationen innerhalb weniger Wochen wieder.
BARF erfordert Fachwissen
Neben einer möglichen Überversorgung mit Schilddrüsenhormonen gibt es weitere Aspekte, die bei der Rohfütterung berücksichtigt werden sollten. Dazu zählen beispielsweise die Versorgung mit Calcium, Phosphor, Jod, Spurenelementen und essenziellen Fettsäuren sowie hygienische Risiken durch Bakterien oder Parasiten in rohem Fleisch.
Wer seinen Hund barfen möchte, sollte daher auf hochwertige Rohstoffe achten und sich idealerweise von einem Tierarzt oder einem auf Tierernährung spezialisierten Ernährungsberater begleiten lassen.
Fazit
BARF kann eine Möglichkeit der Hundeernährung sein, erfordert jedoch deutlich mehr Fachwissen als häufig angenommen wird. Eine ausgewogene Nährstoffversorgung und die Auswahl geeigneter Zutaten sind entscheidend für die Gesundheit des Hundes. Besonders bei Schlundfleisch und vergleichbaren Produkten sollte darauf geachtet werden, dass keine Schilddrüsengewebe enthalten sind. Wer unsicher ist, sollte die Fütterung regelmäßig tierärztlich überprüfen lassen.