Zecken - Daheim so gefährlich wie in südlichen Ländern
November 7, 2013
Hunderatgeber
Zecken
Zecken gehören zu den bedeutendsten Überträgern von Krankheitserregern beim Hund. Durch einen Zeckenstich können Parasiten, Bakterien oder Viren übertragen werden, die teilweise schwere und chronisch verlaufende Erkrankungen verursachen. Mit zunehmenden Temperaturen und veränderten Klimabedingungen breiten sich verschiedene Zeckenarten und die von ihnen übertragenen Krankheiten in Europa immer weiter aus.
Besonders bei Reisen in südliche Länder Europas, nach Osteuropa oder in den Mittelmeerraum ist ein zuverlässiger Zeckenschutz unverzichtbar. Doch auch in Deutschland gewinnen sogenannte Reisekrankheiten zunehmend an Bedeutung, da sich neue Zeckenarten dauerhaft etablieren und Krankheitserreger mittlerweile auch hierzulande übertragen werden können.
Babesiose – die sogenannte „Hunde-Malaria“
Die Babesiose ist eine durch einzellige Parasiten (Babesien) verursachte Erkrankung, bei der die roten Blutkörperchen des Hundes zerstört werden. Die Folgen können Blutarmut (Anämie), Fieber, Schwäche, Gelbsucht und im schweren Verlauf Organversagen sein. Unbehandelt kann die Erkrankung lebensbedrohlich werden.
Früher galt die Babesiose vor allem als klassische Reisekrankheit. Heute treten jedoch zunehmend Infektionen bei Hunden auf, die Deutschland nie verlassen haben. Verantwortlich dafür ist insbesondere die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus), die sich in den vergangenen Jahren in vielen Regionen Deutschlands stark ausgebreitet hat.
Die Auwaldzecke kommt mittlerweile unter anderem in Brandenburg, Berlin, Sachsen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Baden-Württemberg und entlang verschiedener Flusslandschaften vor. Durch mildere Winter und veränderte Umweltbedingungen steigen ihre Bestände kontinuierlich an.
Ein besonderes Problem: Infizierte Auwaldzecken können die Erreger bereits an ihre Nachkommen weitergeben. Dadurch entstehen ganze Zeckenpopulationen, die Babesien übertragen können.
Eine konsequente Zeckenprophylaxe gehört daher heute zu den wichtigsten Maßnahmen zum Schutz vor Babesiose und anderen zeckenübertragenen Erkrankungen.
Moderner Zeckenschutz für Hunde
Tierärzte empfehlen heute einen ganzjährigen oder zumindest saisonal angepassten Schutz gegen Zecken. Besonders aktive Zeckenperioden beginnen häufig bereits im zeitigen Frühjahr und können je nach Witterung bis weit in den Herbst oder sogar ganzjährig andauern.
Moderne Schutzpräparate wirken auf unterschiedliche Weise:
- Repellierende Wirkstoffe schrecken Zecken bereits vor dem Stich ab.
- Akarizide Wirkstoffe töten Zecken nach Kontakt oder Aufnahme ab.
- Kombinationspräparate verbinden beide Wirkmechanismen.
Zur Verfügung stehen unter anderem:
- Spot-on-Präparate
- Zeckenhalsbänder
- Kautabletten mit systemischer Wirkung
- Kombinationspräparate gegen mehrere Parasitenarten
Welcher Schutz für Ihren Hund geeignet ist, hängt von Alter, Gesundheitszustand, Wohnort, Reiseverhalten und Lebensweise ab. Lassen Sie sich hierzu individuell von Ihrem Tierarzt beraten.
Weitere wichtige Zeckenerkrankungen
Neben der Babesiose können Zecken zahlreiche weitere Erkrankungen übertragen:
- Borreliose – bakterielle Infektion mit möglichen Gelenk-, Nerven- und Organproblemen
- Anaplasmose – Erkrankung der weißen Blutkörperchen mit Fieber, Mattigkeit und Lahmheiten
- Ehrlichiose – vor allem in südlichen Ländern verbreitet, betrifft das Immunsystem und die Blutbildung
- FSME – virale Erkrankung mit neurologischen Symptomen, beim Hund selten, aber möglich
Auslandshunde und Reisekrankheiten
Hunde aus südlichen Ländern Europas oder dem Mittelmeerraum können Krankheitserreger in sich tragen, ohne zunächst Symptome zu zeigen. Viele Infektionen entwickeln sich erst Monate oder sogar Jahre nach der Ansteckung.
Deshalb empfehlen Tierärzte bei importierten Hunden häufig spezielle Blutuntersuchungen auf sogenannte Mittelmeerkrankheiten. Dazu gehören unter anderem:
- Babesiose
- Leishmaniose
- Ehrlichiose
- Anaplasmose
- Herzwurmerkrankungen
Auch Hunde, die aus dem Urlaub zurückkehren und anschließend Symptome wie Fieber, Gewichtsverlust, Mattigkeit, Lahmheiten oder Hautveränderungen zeigen, sollten zeitnah tierärztlich untersucht werden.
Fazit
Zecken sind längst nicht mehr nur ein saisonales Problem. Durch die Ausbreitung verschiedener Zeckenarten und die zunehmende Verbreitung von Krankheitserregern steigt das Risiko für Hunde in vielen Regionen Europas. Ein konsequenter Parasitenschutz, regelmäßige Fellkontrollen und eine frühzeitige tierärztliche Diagnostik bieten den besten Schutz vor schwerwiegenden Infektionskrankheiten.